Die Phase „Wilder Westen“ im Affiliate-Marketing ist vorbei. Noch vor zehn Jahren war es problemlos möglich, Cookies zu setzen, Nutzer im gesamten Web erneut anzusprechen und Konversionen für sich zu beanspruchen, ohne groß darüber nachdenken zu müssen. Solange die Umsatzzahlen stimmten, hat sich niemand wirklich gefragt, woher die Daten tatsächlich stammten.
Heute verläuft das Spiel ganz anders.
Dabei geht es längst nicht mehr nur um Regulierungsbehörden, die in Europa die DSGVO oder in Kalifornien den CCPA durchsetzen. Es sind vor allem Tech-Giganten wie Apple und Google, die Tracking-Standards direkt auf Browser- und Geräteebene verändern. Datenschutz hat sich von einer allgemeinen Klausel in den AGB zu einem neuen Marktstandard für digitale Werbung entwickelt.
Denn machen wir uns nichts vor: Wenn ein Nutzer den Einwilligungsbanner ablehnt, verschwinden die Daten nicht einfach. Vielmehr beeinträchtigt es die Sichtbarkeit Ihres Funnels. Genau deshalb ist Compliance im Affiliate-Marketing inzwischen eine Kennzahl für Performance – nicht mehr nur eine rechtliche Anforderung. Wenn Sie die Regeln nicht beherrschen, sind Sie nicht in der Lage zu messen, was tatsächlich funktioniert.
Hier geht es nicht nur um regulatorische Formalitäten. Es geht darum, Ihre Kampagnen live und profitabel zu halten. Die neuen rechtlichen Standards für Affiliate-Marketing zu ignorieren, ist nicht nur riskant – es ist auch der schnellste Weg, Ihr Werbebudget für Daten zu verschwenden, die Sie ohnehin nicht nutzen dürfen.
In diesem Leitfaden klären wir rechtliche Fragen und zeigen konkret, was Sie tun müssen, um Ihr Tracking stabil zu halten und Ihr Geschäft sicher aufzustellen.
Was bedeuten Datenschutz und Compliance eigentlich?
Bevor wir uns näher mit den konkreten Verordnungen befassen, lohnt es sich, die Begriffe sauber zu trennen. Die Begriffe „Datenschutz“ und „Datensicherheit“ werden oft synonym verwendet, beschreiben aber zwei unterschiedliche Dinge. Und genau diese Verwechslung führt viele Affiliates direkt in Probleme.
Beim Datenschutz geht es nicht nur um Geheimhaltung; es geht um Kontrolle. Es läuft auf eine einfache Frage hinaus: Weiß der Nutzer, dass Sie seine Daten erfassen – und hat er Ihnen ausdrücklich erlaubt, diese zu nutzen? Sie entscheiden, wie Daten erfasst, weitergegeben und verwendet werden.
Datensicherheit dagegen ist ein technischer Aspekt. Er umfasst Verschlüsselung, Firewalls, Zugriffskontrollen und den Schutz vor unbefugtem Zugriff.
Der entscheidende Punkt: Sie können die sicherste Infrastruktur der Welt betreiben – mit perfekter Verschlüsselung und null Datenlecks. Wenn Sie E-Mail-Adressen oder Tracking-Daten aber ohne gültige Einwilligung gesammelt haben, verstoßen Sie trotzdem gegen geltende Compliance-Standards im Affiliate-Marketing. Dann sind Ihre Systeme zwar technisch abgesichert, datenschutzrechtlich jedoch nicht konform – und damit eindeutig nicht compliant.
Compliance bedeutet letztlich, nachweisen zu können, dass Ihre Datenschutz- und Sicherheitsmaßnahmen den gesetzlichen Anforderungen entsprechen. Für Affiliates ist das besonders heikel, da sie täglich mit großen Datenmengen arbeiten, die lange Zeit nicht als „personenbezogen“ wahrgenommen wurden.
Früher galten personenbezogene Daten vor allem als Namen, Telefonnummern oder Kreditkartendaten. Heute ist die Definition weiter gefasst. Aus Sicht der Regulierungsbehörden können auch IP-Adressen, Cookie-IDs oder Geräte-Fingerabdrücke als personenbezogene Daten gelten. Sobald ein Nutzer anhand einer Zahlen- oder Zeichenfolge eindeutig identifiziert oder gezielt angesprochen werden kann, handelt es sich um personenbezogenen Daten.
Genau hier scheitert die Compliance von Affiliate-Programmen oft. Viele Marketer sehen Tracking-Pixel und Cookies immer noch als „anonyme technische Daten“. Aber das sind sie nicht mehr. Zu verstehen, dass selbst eine einfache Klick-ID heute ein reguliertes Asset ist, bildet die Grundlage für sichere und zukunftsfähige Affiliate-Kampagnen im Jahr 2026.
Wichtige Datenschutzbestimmungen, die das Affiliate-Marketing betreffen
Wenn Sie globale Kampagnen betreuen, können Sie es sich nicht leisten, nur einem Regelwerk zu folgen. Das Internet mag grenzenlos sein – Gesetze sind es ganz sicher nicht. Zwar wächst die Liste an Datenschutzbestimmungen stetig, doch zwei Regelwerke setzen bis heute den globalen Standard.
DSGVO (Europa)
Die Datenschutz-Grundverordnung hat die Spielregeln grundlegend verändert. Sobald Sie Traffic aus der EU erhalten, unterliegen Sie der DSGVO. Dabei spielt es keine Rolle, wo Ihr Unternehmen sitzt.
Das Kernprinzip der DSGVO im Affiliate-Marketing lautet „Opt-in“. Zustimmung darf nicht vorausgesetzt werden. Schweigen ist keine Zustimmung. Vorangekreuzte Kästchen sind keine Zustimmung. Erforderlich ist eine klare, aktive Handlung der Nutzerin oder des Nutzers: ein eindeutiges „Ja, Sie dürfen mich tracken“.
Für Affiliates bedeutet das das Ende der früher gern genutzten Ausrede „berechtigtes Interesse“. Es reicht nicht aus, zu behaupten, dass Sie die Daten für Ihre Geschäftstätigkeit benötigen – Sie müssen ausdrücklich darum bitten. Wenn ein Nutzer oder eine Nutzerin verlangt, vergessen zu werden (Recht auf Löschung), müssen Sie – und die Werbetreibenden, mit denen Sie zusammenarbeiten – sämtliche Daten vollständig entfernen.
CCPA/CPRA (Kalifornien)
Der California Consumer Privacy Act (inklusive seiner Erweiterung CPRA) verfolgt einen etwas anderen Ansatz. Während die DSGVO auf Zustimmung vor der Datenerhebung setzt, liegt der Fokus des CCPA auf der Möglichkeit des nachträglichen Widerspruchs.
Es handelt sich hierbei um ein „Opt-out“-Modell. Daten dürfen grundsätzlich erhoben werden, allerdings müssen Sie eine klare Option „Do Not Sell My Personal Information“ anbieten – und diese strikt einhalten. Die entscheidende Stolperfalle: Im Sinne des CCPA im Affiliate-Marketing ist der Begriff „Verkauf” von Daten sehr weit gefasst. Es geht nicht nur um den klassischen Verkauf von Datensätzen gegen Geld. Auch die Weitergabe von Daten an Netzwerke oder Werbetreibende zur Attribution kann rechtlich als „Verkauf“ oder „Weitergabe“ gelten.
Der globale Dominoeffekt
Das ist noch nicht alles. Brasilien hat die LGPD, Großbritannien hat seine eigene Version der DSGVO, und andere Regionen ziehen nach. Ein Fehler, den viele Affiliates machen: Sie versuchen, ihre Compliance-Strategie geografisch abzugrenzen – indem sie etwa strenge Regeln für Deutschland aufstellen, aber in Brasilien lockerer damit umgehen. Logistisch gesehen ein Albtraum.
Der sinnvollste Ansatz? Orientieren Sie sich am strengsten Regelwerk (in der Praxis meist die DSGVO) und nutzen Sie dieses als globalen Mindeststandard. In liberaleren Märkten übermäßig compliant zu handeln ist deutlich einfacher, als in streng regulierten Regionen später nachzubessern.
Wie sich Datenschutzgesetze auf den operativen Alltag im Affiliate-Marketing auswirken
Wenn Regulierungsbehörden Gesetze verfassen, denken sie nicht an Postbacks, Pixel oder Klicks-IDs. Doch die Auswirkungen dieser Entscheidungen treffen genau diese technischen Grundlagen. Am stärksten betroffen sind genau die Tools und Methoden, die über Jahre hinweg als gesetzt galten – und heute nicht mehr selbstverständlich nutzbar sind.
Das Ende des Third-Party-Cookies
Jahrelang waren Cookies von Drittanbietern das Bindeglied, das das Affiliate-Ökosystem zusammengehalten hat. Sie machten es möglich, Nutzer über verschiedene Domains hinweg zu verfolgen – von einem Blogbeitrag bis hin zum Checkout. Dieses Bindeglied verliert zunehmend seine Wirkung. Browser wie Safari (ITP) und Firefox blockieren Third-Party-Cookies schon lange, und auch Chrome schränkt ihre Nutzung zunehmend ein und macht sie unzuverlässig.
Aus Compliance-Sicht erfordert das Setzen von Drittanbieter-Cookies nun eine ausdrückliche, informierte Einwilligung. Fehlt diese, wird der Cookie blockiert. Die Folge: Ihre Konversionsdaten fallen nicht nur um ein paar Prozentpunkte geringer aus, sondern können bei manchen Browsern sogar komplett wegbrechen, wenn Sie noch auf veraltete Methoden setzen.
Tracking-Pixel unter genauer Beobachtung
Lange Zeit war es gängige Praxis, Werbetreibende zu bitten, den Pixel auf der Dankesseite einzubinden. Heute stößt diese Anfrage oft auf Skepsis. Werbetreibende haben erkannt, dass Drittanbieter-Skripte möglicherweise mehr Daten erfassen als beabsichtigt. z. B. IP-Adressen, Browser-Details und sogar Formularinhalte.
Dadurch entsteht ein erhebliches Haftungsrisiko. Wenn Ihr Affiliate-Pixel unbeabsichtigt personenbezogene Daten erfasst, deren Weitergabe der Werbetreibende nicht zugestimmt hat, verstoßen beide Seiten gegen die DSGVO oder den CCPA. Deshalb geht es beim Schutz von Affiliates nicht mehr nur mehr um Betrugsprävention, sondern auch um die Verhinderung von Datenlecks. Viele Werbetreibende sichern ihre Seiten und bevorzugen serverseitige Integrationen statt clientseitiger Pixel.
Retargeting: Von grenzenlos zu reguliert
Retargeting – also die erneute Einblendung einer Anzeige bei Nutzern, die eine Landingpage besucht, aber nicht konvertiert haben – ist genau die Praxis, gegen die Datenschutzgesetze am aggressivsten vorgehen. Sie gilt als Profiling. Nach der DSGVO dürfen Nutzer nur dann erneut angesprochen werden, wenn sie Marketing-Cookies ausdrücklich zugestimmt haben.
Das erzwingt ein Umdenken. Sie können nicht länger große Retargeting-Pools auf Basis passiven Surfverhaltens aufbauen, sondern müssen sich stattdessen auf kontextbezogenes Targeting verlassen oder Nutzer in Umgebungen bringen, in denen Sie die Beziehung zu ihnen besitzen, wie z. B. eine E-Mail-Liste.
Die Last der Überwachung
Da die Risiken geteilt werden, reicht Vertrauen allein nicht mehr aus. Werbetreibende und Netzwerke sind jetzt gezwungen, die Einhaltung der Affiliate-Regeln streng zu überwachen. Sie müssen genau wissen, wie Traffic generiert wird und wie Einwilligungen eingeholt werden. Bezieht ein Affiliate Traffic aus fragwürdigen Quellen, die Einwilligungssignale ignorieren, zahlt am Ende der Werbetreibende die Strafe. Dadurch ist die Überwachung der Compliance von einem wünschenswerten Extra zu einer täglichen operativen Pflicht geworden.
Einwilligungsmanagement und Transparenz gegenüber Nutzern
Wir alle haben eine gewisse „Banner-Blindheit“ entwickelt. Man landet auf einer Website, ein Pop-up erscheint und man sucht instinktiv nach dem größten, auffälligsten Button, um es wieder loszuwerden. Als Marketer beginnt jedoch genau hier das Haftungsrisiko.
Die Zeiten der stillschweigenden Zustimmung – „Durch die Nutzung dieser Website stimmen Sie zu …“ – sind lange vorbei. In einer zunehmend datenschutzorientierten Welt muss die Einwilligung aktiv, spezifisch und informiert erfolgen.
Wie gültige Einwilligung wirklich aussieht
Wenn Sie eine Landingpage betreiben, darf Ihr Cookie-Banner nicht nur zur Zierde dienen. Es muss funktionieren. Nutzer müssen klar „Nein“ sagen können – und wenn sie das tun, müssen Ihre Tracking-Skripte tatsächlich inaktiv bleiben. Genau dafür braucht es eine Consent Management Platform (CMP). Eine CMP ist kein bloßes Pop-up, sondern eine Software, die Ihrem Tag-Manager signalisiert, ob ein Pixel ausgelöst werden darf oder nicht.
Klickt ein Nutzer oder eine Nutzerin auf „Ablehnen“, Ihr Facebook- oder Tracking-Pixel wird aber trotzdem ausgelöst, ist das ein klarer Verstoß gegen Affiliate-Compliance-Richtlinien. In diesem Fall erfolgt die Datenerhebung illegal – und Regulierungsbehörden können so etwas heute problemlos mit automatisierten Tests überprüfen.
Datenschutzerklärung: Copy & Paste reicht nicht mehr
Ihre Datenschutzerklärung ist die zweite tragende Säule. Zu viele Affiliates kopieren einfach eine generische Vorlage aus einem Generator und legen diese in ihren Footer. Das ist äußerst riskant.
Eine saubere Datenschutzerklärung muss klar darlegen:
- Welche Daten erhoben werden (z. B. IP-Adresse, E-Mail)
- An wen diese Daten weitergegeben werden (z. B. „Weitergabe an Netzwerk X und Werbetreibenden Y zur Attribution“)
- Wie Nutzer widersprechen oder sich abmelden können
Auch wenn Sie nur als Zwischenseite fungieren, die Traffic zu einem Angebot weiterleitet, gilt: Sie sind der erste Kontaktpunkt. Damit sind Sie für diese Interaktion rechtlich gesehen der Datenverantwortliche.
Häufige Compliance-Fehler, die Sie vermeiden sollten
Selbst mit guten Absichten tappen viele Affiliates in sogenannte „Dark Patterns“ – Designentscheidungen, die Nutzer subtil zur Zustimmung drängen. Das sollten Sie unbedingt vermeiden:
- Das unsichtbare „Nein“: Die Schaltfläche „Akzeptieren“ leuchtend grün und die Schaltfläche „Ablehnen“ kaum sichtbar grau gestalten.
- Vorab angekreuzte Kästchen: Marketing-Cookies dürfen niemals standardmäßig aktiviert sein. Nutzer müssen das Kästchen aktiv anklicken.
- Die Consent-Wall: Inhalte komplett zu sperren, bis Nutzer zustimmen, wird allgemein als Verstoß gegen die DSGVO angesehen.
Transparenz ist nicht nur eine rechtliche Pflicht. Sie wirkt sich auch positiv auf das Nutzerverhalten aus und senkt so die Absprungraten. Nutzer interagieren eher mit professionell und seriös gestalteten Websites als mit solchen, die versuchen, sie zum Klicken zu verleiten.
Tracking und Attribution in einer Privacy-First-Welt
Seien wir ehrlich: Früher war Tracking einfach. Pixel platzieren, Klick, Konversion – fertig. Wenn Sie sich heute noch zu 100 % auf clientseitige Browser-Cookies verlassen, „verlieren” Sie wahrscheinlich 20 bis 30 % Ihrer Konversionen. Die Verkäufe finden zwar statt, aber auf Ihrem Dashboard werden nur Nullen angezeigt.
Warum? Ganz einfach: Browser arbeiten aktiv gegen klassisches Tracking.
Der Umstieg auf Server-zu-Server (S2S)
Genau deshalb sind API-Konvertierungen und Postbacks aktuell ein großes Thema unter Account-Managern. S2S-Tracking umgeht den Browser vollständig. Anstatt Chrome oder Safari aufzufordern, einen Verkauf zu melden (was diese möglicherweise ablehnen), sendet Ihr Server ein direktes Signal an den Server des Werbetreibenden.
Das ist sauberer, präziser und vor allem deutlich datenschutzkonformer – vorausgesetzt, die gültige Einwilligung liegt vor. Genau deshalb haben die meisten Plattformen ihre Standard-Datenschutzrichtlinien für Affiliate-Netzwerke aktualisiert, um der S2S-Integrationen Vorrang einzuräumen, da auf diese Weise Datenlecks reduziert werden. Wenn Sie noch nicht mit Postbacks arbeiten, gehen Ihnen nicht nur Daten verloren: Sie verzichten auch aktiv auf Optimierung.
Apple, iOS und die „Black Box“
Dann kam Apple mit App Tracking Transparency (ATT). Als die Nutzer die Aufforderung „App bitten, nicht zu tracken“ sahen, klickte die überwältigende Mehrheit darauf. Die Folge: Die IDFA (Identifier for Advertisers) verschwand für Millionen von Nutzern quasi über Nacht.
Für Affiliates mit Mobile-App-Kampagnen war das jedoch eine Katastrophe. Sie mussten von deterministischem Tracking – also genau zu wissen, wer was getan hat – auf probabilistische Modelle umsteigen: fundierte Vermutungen auf Basis aggregierter Daten. Plattformen wie SKAdNetwork liefern Daten nur noch gebündelt, mit 24 Stunden Verzögerung und ohne nutzerindividuelle Details. Frustrierend, ja. Aber inzwischen der neue Standard.
First-Party-Daten sind Ihr Rettungsanker
Dieses Chaos hat eines der größten strukturellen Risiken im Affiliate-Marketing offenbart: die vollständige Abhängigkeit von angemieteten Flächen. Wer sich ausschließlich auf Facebook-Pixel oder Google-Cookies verlässt, spielt nach deren Regeln – und trägt deren Risiken.
Die erfolgreichsten Affiliates steuern dagegen um und setzen auf First-Party-Daten. Sie lenken Traffic nicht einfach blind auf eine generische Angebotsseite, sondern erstellen Pre-Launch-Landingpages, sammeln E-Mail-Adressen (nur mit vorheriger Einwilligung!) und bauen eine Beziehung zu den Nutzern auf, bevor sie diese weiterleiten. Wer die Daten besitzt, ist deutlich weniger anfällig für Browser-Restriktionen.
Datenrollen im Affiliate-Marketing
Kommt es zu einer datenschutzrechtlichen Prüfung oder einem Rechtsstreit, lautet eine der ersten Fragen von Aufsichtsbehörden oder Auditoren: „Welche Rolle haben Sie bei der Datenverarbeitung gespielt?“
Aus rechtlicher Sicht betreiben Sie nicht einfach nur „Marketing“. Sie nehmen eine klar definierte Rolle ein und diese Rolle bestimmt Ihre Haftung.
Verantwortlicher vs. Verarbeiter: Auf den Unterschied kommt es an.
Kurz und eindeutig:
- Der Datenverantwortliche ist der Chef. Er entscheidet über Zweck und Mittel der Verarbeitung personenbezogener Daten. Wenn Sie eine Landingpage erstellen, ein Pixel installieren und E-Mail-Adressen für einen Newsletter zu sammeln, sind Sie der Datenverantwortliche. Sie kontrollieren die erste Datenerhebung und tragen dafür die Verantwortung.
- Der Auftragsverarbeiter hingegen ist der Leistungserbringer. Er verarbeitet Daten im Auftrag des Datenverantwortlichen. Tools wie E-Mail-Software (z. B. Mailchimp) oder Tracking-Systeme (z. B. Voluum) fallen in der Regel in diese Kategorie.
Kritisch dabei: Viele Affiliates gehen davon aus, dass sie nur die Auftragsverarbeiter für den Werbetreibenden sind. Das Argument „Ich leite nur Traffic weiter“ greift jedoch meist nicht. Sobald Sie Nutzerdaten vor der Weiterleitung erfassen, speichern, filtern oder zur Optimierung nutzen, übernehmen Sie die Rolle des Verantwortlichen – mit allen damit verbundenen Pflichten.
Die Falle der gemeinsamen Verantwortlichkeit
In der Praxis werden Affiliates und Werbetreibende häufig als „gemeinsam Verantwortliche“ angesehen. Das bedeutet, dass Sie beide in der Pflicht stehen. Macht der Werbetreibende einen Fehler, sind Sie möglicherweise auf der sicheren Seite. Aber wenn Sie Daten illegal erheben und an den Werbetreibenden weitergeben, ziehen Sie ihn mit in den Abgrund.
Genau deshalb sind die Compliance-Anforderungen für Affiliate-Verträge heute deutlich strenger formuliert als noch vor einigen Jahren. Der oft unterschätzte Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV), der Ihrem Angebot beigefügt ist, ist nicht nur reine Formalität. Er ist ein verbindliches Dokument, das die Haftung überträgt. Darin ist ausdrücklich festgelegt, dass bei fehlender Einwilligung Sie die Strafen zahlen müssen – nicht das Netzwerk. Lesen Sie solche Vereinbarungen sorgfältig!
Wer überwacht das eigentlich? Wenn Sie sich fragen wer tatsächlich für die Regulierung des Affiliate-Marketings verantwortlich ist: Es wird auf mehreren Ebenen überwacht.
- Behörden: In den USA die FTC, im Vereinigten Königreich das ICO sowie Datenschutzbehörden in der EU. Sie verhängen die Bußgelder.
- Plattformen: Google und Facebook fungieren als De-facto-Regulierungsbehörden. Bei Verstößen gegen den Datenschutz drohen keine Verwarnungen, sondern Kontosperrungen.
- Affiliate-Netzwerke: Ihr Netzwerk fungiert als erste Kontrollinstanz für Compliance. Bringt ein Affiliate einen Werbetreibenden aus rechtlicher Sicht in Gefahr, wird die Zusammenarbeit beendet, um das Gesamtgeschäft zu schützen.
Das Verständnis Ihrer eigenen Rolle ist kein bürokratisches Detail. Es entscheidet darüber, wie hoch Ihr Risiko ist, wenn tatsächlich etwas schiefläuft.
Best Practices für Compliance als Affiliate-Marketer
Nun zur Praxis. Wie halten Sie Ihre Kampagnen am Laufen, ohne eines Tages eine Unterlassungserklärung in Ihrem Briefkasten zu finden? Sie brauchen kein eigenes Juristenteam, müssen aber typische Anfängerfehler vermeiden.
Hier erfahren Sie, was in der Praxis tatsächlich funktioniert:
1. Horten Sie keine Daten
Im Ernst: Lassen Sie es. Vor zehn Jahren lautete die Strategie noch: „Alle Daten sammeln. Wofür wir sie brauchen, legen wir später fest.“ Heute ist das ein direkter Weg ins Verderben. Sie brauchen die Telefonnummer eines Nutzers nicht zwingend für die Konversion? Dann fragen Sie nicht danach. Jeder weitere Datenpunkt ist eine potenzielle Haftungsquelle. Konsequente Datenminimierung ist nicht nur sicherer – sie steigert oft sogar die Konversionsraten, da Nutzer lange Formulare hassen.
2. Lesen Sie die Verträge (ja, wirklich)
Natürlich ist das langweilig. Aber genau hier passieren die teuersten Fehler, wenn es um Compliance geht, da sich in Affiliate-Vereinbarungen oft Haftungs- und Freistellungsklauseln („Indemnification“) verstecken. Bedeutet: Werden Werbetreibende wegen Ihres Traffics verklagt, zahlen Sie. Ob diese Klausel existiert, sollten Sie wissen, noch bevor Sie überhaupt einen Klick absetzen. Wenn solche Klauseln auftauchen: verhandeln oder ein anderes Angebot wählen.
3. Arbeiten Sie mit datenschutzkonformen Partnern
Nutzen Sie noch einen gehackten Tracker oder ein Script aus irgendeinem Forum? Weg damit! Ihre Technologie muss Löschanfragen („Recht auf Vergessenwerden“) unverzüglich umsetzen können. Macht ein Nutzer von seinem Recht auf Löschung Gebrauch, aber Sie verwalten Ihre Daten in einer unübersichtlichen Excel-Tabelle oder einem dubiosen Skript, dann können Sie dieser Aufforderung nicht nachkommen. Setzen Sie auf etablierte Plattformen mit S2S-Tracking und integrierten Datenschutz-Tools.
Ebenso wichtig: Partner, die in Bezug auf Regulierung proaktiv vorgehen und nicht erst dann reagieren, wenn es bereits brennt. MGID arbeitet beispielsweise vollumfänglich im Einklang mit dem Gesetz über digitale Dienste (GdD) und folgt dem Datenschutzrahmen EU-USA.
MGID ist zudem registrierter Anbieter im IAB-Rahmenwerk, was bedeutet, dass die Verarbeitung aller Nutzerdaten strikt auf Grundlage der Nutzereinwilligung erfolgt.
Das sorgt für die nötige Transparenz bei der Kennzeichnung von Werbung und grenzüberschreitenden Datenübertragungen auf Plattformebene – eine deutlich sicherere Basis für skalierbare Kampagnen.
4. Auditieren Sie Ihre Funnels regelmäßig – aus Nutzersicht
Regeln ändern sich. Eine Landingpage, die 2024 noch unproblematisch war, kann heute bereits gegen neue Browser- oder Plattformrichtlinien verstoßen. Setzen Sie sich eine monatliche Erinnerung: Klicken Sie auf Ihre eigenen Anzeigen. Überprüfen Sie, ob das Einwilligungsbanner tatsächlich Pixel blockiert, bevor Sie auf „Akzeptieren“ klicken. Wenn nicht: Sofort beheben.
5. Bleiben Sie dem Bann-Hammer stets einen Schritt voraus
Netzwerke setzen zunehmend KI ein, um Verstöße gegen Affiliate-Vereinbarungen automatisch zu erkennen: aggressive Claims, künstliche Verknappung, unerlaubtes Data Scraping. Warten Sie nicht auf eine Meldung. Wenn Sie Probleme selbst entdecken und beheben, behalten Sie Ihr Konto. Wenn Sie darauf warten, dass das Netzwerk sie findet, fliegen Sie oft dauerhaft raus.
Risiken bei fehlender Compliance
Viele Affiliates halten Compliance-Risiken lediglich für „Panikmache“, mit der Anwälte teure Beratungsleistungen verkaufen wollen. Ganz im Sinne von: „Ich bin doch nur ein einzelner Media Buyer. Wen interessiert das schon?“ Ein gefährlicher Irrtum.
Das größte Risiko ist nicht etwa eine millionenschwere Geldstrafe seitens der Behörden (obwohl das durchaus passieren kann). Das eigentliche Risiko ist der sofortige Business-Stillstand.
Der plötzliche Tod von Accounts
Plattformen wie Meta, Google oder TikTok haben nicht die Zeit, Sie zu verklagen. Sie sperren Sie einfach. Sobald deren automatisierte Systeme einen Verstoß gegen die Affiliate-Richtlinien feststellen (z. B. Datenweitergabe ohne Einwilligung oder unerlaubtes Profiling), wird das Werbekonto sofort gesperrt. Ohne Vorwarnung, ohne Einspruchsmöglichkeit und mit sofortiger Sperrung Ihres Guthabens. Das bedeutet das Aus für Ihren Cashflow.
Rückforderungen und Nicht-Auszahlungen
Selbst wenn das Werbenetzwerk Sie nicht erwischt, dann vielleicht das Affiliate-Netzwerk. Wenn Werbetreibende beim Audit ihres Traffics feststellen, dass Sie als Affiliate gegen ihre Datenbestimmungen verstoßen haben (z. B. durch Gebote auf Marken-Keywords oder illegales E-Mail-Scraping), wird Ihnen nicht nur gekündigt – ausstehende Provisionen werden häufig einbehalten.
Rechenschaftspflicht als Grundsatz
Ist Affiliate-Marketing reguliert? Selbstverständlich. In den USA setzt die Federal Trade Commission (FTC) klare Grenzen bei sog. „Dark Patterns“ – verwirrende Designentscheidungen, die Nutzer täuschen. Durch transparente Praktiken lassen sich nicht nur Strafen vermeiden, sondern auch eine langfristige Zusammenarbeit mit großen Plattformen aufbauen.
Rufschädigung
Die Affiliate-Branche ist kleiner, als sie scheinen mag. Wenn Sie den Ruf haben, „Pixel zu verbrennen“ und Datenschutzbestimmungen zu ignorieren, werden Sie von Premium-Netzwerken gemieden. Übrig bleiben riskante Angebote mit schlechten Margen, da große Unternehmen das Risiko einer Zusammenarbeit mit Ihnen nicht eingehen können.
Die Zukunft von Datenschutz im Affiliate-Marketing
Warten auf eine Rückkehr der „guten alten Zeiten“? Zwecklos. Sie kommen nicht zurück. Der Datenschutz-Express ist längst abgefahren. In den nächsten Jahren wird es nicht darum gehen, mehr Gesetze einzuhalten – es wird darum gehen, eine grundlegende technische Umstellung zu überstehen.
Zielgruppen mieten ist ein Auslaufmodell
Die Affiliates, die gerade richtig abräumen? Sie verlassen sich längst nicht mehr auf die Daten von Facebook. Sie bauen eigene Daten auf: Zero-Party-Daten. Klingt ausgefallen, ist aber eigentlich ganz simpel: Fragen Sie Ihre Nutzer, was sie wirklich wollen. Quizze, Umfragen, interaktive Formulare. Wenn ein Nutzer selbst sagt: „Ich habe trockene Haut“, brauchen Sie kein Third-Party-Cookie mehr, um ihm eine Feuchtigkeitspflege zu verkaufen. Sie müssen nur zuhören. Das ist Gold wert. Und das Beste daran? Es lässt sich von keinem Browser blockieren.
Contextual 2.0 (Langweilig war einmal)
Contextual Targeting galt früher als Dinosaurier der Werbetechnologie. Autowerbung auf Auto-Blogs – bahnbrechend, oder? Da das Tracking von Nutzerverhalten jedoch immer mehr an Bedeutung verliert, ist Kontextualität plötzlich wieder das Thema Nummer eins. Neue KI-Tools scannen nicht nur auf Keywords: Sie analysieren Inhalte nach Stimmung, Bedeutung und Kontext – nicht nach Nutzerhistorie – und platzieren Anzeigen dementsprechend. Effektiv, skalierbar und vollständig datenschutzkonform.
Der automatisierte Kontrolleur
Manuelle Compliance-Prüfungen gehören der Vergangenheit an. Netzwerke können nicht Tausende von Landingpages manuell überprüfen. Das übernimmt die KI. Fakt ist: Ein Verstoß gegen Affiliate-Richtlinien bedeutete früher ein paar Tage später eine Warn-E-Mail vom Account Manager. Und heute? Er löst eine unverzügliche und automatisierte Sperre aus. Der Feedback-Loop erfolgt sofort. Wenn Ihre Affiliate-Compliance-Strategie nicht in Ihren Code integriert ist – also Probleme erkannt und korrigiert werden, bevor Kampagnen live gehen –, werden Sie von einem Bot gesperrt, noch bevor ein Mensch Ihre Kampagne überhaupt zu Gesicht bekommt.
Genau deshalb hat MGID seine Partnerschaft mit GeoEdge ausgebaut. Mithilfe von Echtzeit-Verifikation filtern wir irreführende Werbepraktiken und problematische Creatives heraus, noch bevor sie im Netzwerk ausgespielt werden. Durch diese automatisierte Sicherheitsebene stellen wir sicher, dass seriöse Affiliates ihr Inventar nicht mit unseriösen Akteuren teilen, die dem Ruf der gesamten Branche schaden könnten.
Datenschutz ist heute kein Hindernis mehr. Er ist ein Filter. Er sortiert faule Marketer aus und lässt denen Raum, die bereit sind, sich anzupassen.
Fazit
Seien wir ehrlich: Niemand entscheidet sich für Affiliate-Marketing, weil er gern das juristische Kleingedruckte liest. Wir sind für Skalierung und Ergebnissen hier.
Aber die neuen Regeln zu ignorieren, ist längst keine Option mehr.
Der Markt ist erwachsen geworden. Die erfolgreichsten Affiliates suchen heute nicht nach Schlupflöchern, sondern bauen saubere, langfristige Geschäftsmodelle auf. Sie haben verstanden, dass Vertrauen in einer Privacy-First-Welt kein Hindernis ist, sondern ein Vorteil.
Denken Sie mal darüber nach: Wenn Sie die Privatsphäre Ihrer Nutzer respektieren, erhalten Sie sauberere Daten. Und saubere Daten sorgen für bessere Optimierung. Statt Budget auf schwache Signale zu verschwenden, bieten Sie auf echte Nutzerabsichten.
Nehmen Sie sich also die Zeit, Ihre Pixel zu prüfen und Ihre Verträge zu lesen. Bringen Sie Kampagnen nicht wegen kleiner Versäumnisse zum Erliegen, etwa weil eine Landingpage nicht aktualisiert wurde. Passen Sie sich den neuen Standards an und sichern Sie sich so Ihren Platz im Markt.




